Bild: Firma Heibi in Schopfloch
Firma Heibi in Schopfloch

„Sie sind hochmotiviert, muss man ehrlich sagen – das ist einfach so.“

Im Dezember 2017 haben wir das Unternehmen HEIBI bei einer Veranstaltung im Jobcenter Ansbach kennengelernt. HEIBI hat einen Teilnehmer von „Schwer beschäftigt!“ eingestellt. Über die Zusammenarbeit und das Miteinander wollten wir mehr wissen und so sind wir mit unserem Jobmobil nach Schopfloch gefahren und haben interessante Statements bekommen. Hier das ganze Interview.

SB: Herr Hofmann, Sie arbeiten bei der Firma Heibi und geben uns heute freundlicherweise ein Interview zum Thema Inklusion. Würden Sie sich bitte kurz vorstellen?

HEIBI:
Mein Name ist Sascha Hofmann, ich bin 37 Jahre und seit September letzten Jahres stellvertretender Produktionsleiter hier im Unternehmen. Insgesamt bin ich seit über 12 Jahren bei Heibi. Zu meinen Aufgaben gehören die Arbeitsvorbereitung und Arbeitssicherheit. Daher begleite ich alle neuen Mitarbeiter und sorge für die benötigten Hilfsmittel. Somit begleite ich die Mitarbeiter von Anfang an.

SB: Was fällt Ihnen im Allgemeinen von Unternehmens Seite zum Thema Inklusion ein?

HEIBI:
Inklusion ist ein weiterer Weg um Arbeitskräfte zu akquirieren. Bei der momentanen Situation auf dem Arbeitsmarkt, gerade bei uns in der Region, ist es schwierig geworden Arbeitskräfte zu finden. Wir sprechen dabei fast von Vollbeschäftigung in der Region, bei nur 2% Arbeitslosenquote.

Man muss es als weitere Chance sehen hier Arbeitskräfte zu finden und an das Unternehmen zu binden. Wir brauchen neue Mitarbeiter, wir wachsen stetig und das können wir nur mit mehr Arbeitskräften bewältigen.

SB: Meinen Sie, weil Schopfloch nicht so zentral gelegen ist, wie beispielsweise Nürnberg?

HEIBI:
Richtig. Bei uns ist eine Infrastruktur wie in Nürnberg einfach nicht gegeben. Wir haben drei größere Firmen bei uns im Umkreis, die auch schon viele Arbeitskräfte binden. Das sind große Industrieunternehmen, die haben teilweise einen ganz anderen Tarif wie wir. Dazu muss man auch noch schauen, dass der neue Mitarbeiter und die Firma zusammenpassen.

SB: Wie viele Menschen mit Einschränkung arbeiten bei HEIBI? Und wie lange sind sie im Unternehmen?

HEIBI:
Aktuell haben wir drei Mitarbeiter. Ein Mitarbeiter ist seit 1999 bei uns im Betrieb, einer seit 2014 und noch einer seit letzten Oktober.

SB: Und wie groß ist HEIBI insgesamt?

HEIBI:
Wir haben derzeit 150 Mitarbeiter

SB: Sie geben Menschen damit eine große Chance. Was ist Ihre Motivation Menschen mit Einschränkungen einzustellen?

HEIBI:
Wir sehen ja nicht den Menschen mit Behinderung im Vordergrund. Wir sehen einen Menschen, der eine Beschäftigung aufnehmen will. Da wollen wir einfach versuchen ihn nach entsprechender Qualifikation einzusetzen. Dazu bieten wir auch die Praktika an. Dabei versuchen wir für die Mitarbeiter die richtige Position zu finden und auszutesten. Man muss einfach jede Möglichkeit in Betracht ziehen, um neue Mitarbeiter zu gewinnen.

SB: Also ist es auf jeden Fall immer erst die Qualifikation an erster Stelle?

HEIBI:
Genau, die steht an erster Stelle!

SB: Uns würde der Umgang der Mitarbeiter untereinander interessieren, kommt es da zu Schwierigkeiten und Unverständnis?

HEIBI:
Nein, alle sind voll integriert. Es gibt keine Probleme, sie sind auch in der Pause gerne zusammen.

SB: Haben Sie als Unternehmen das Gefühl, sich zurecht zu finden, zwecks Anträge, Zuschüsse?

HEIBI:
Also wir haben halt den Vorteil, das bisher alles über den ifd Ansbach gelaufen ist. Dort werden wir ganz gut beraten. Ich denk, dass es da keine Probleme gibt. Aber das müsste unsere Personalchefin besser wissen, wenn es da etwas geben würde. Ich denke, unsere Ansprechpartnerin ist wirklich kompetent. Wir hatten auch schon eine größere Anschaffung für einen gehbehinderten Mitarbeiter, der in der Montage arbeitet und zudem auch kleinere Besorgungen in unserem Lager macht. Dafür haben wir einen Elektroroller bekommen, an dem hinten eine Ablage montiert ist. Und wie Sie ja sehen konnten, unsere Wege im Betrieb sind breit und damit kann man ganz schön durchdüsen.

SB: Also ein sehr notwendiges Hilfsmittel an der Stelle.

HEIBI:
In einem anderen Beispiel war es nur eine einfache mobile Arbeitsplatz-Erhöhung. Das ist nur ein einfacher Aufbau, damit der Mitarbeiter auf eine bestimme Arbeitshöhe kommt. Das sind Sachen die machen wir selber – da brauchen wir keinen Zuschuss. Bis wir da den Antrag ausfüllen, denk ich mal, geht es schneller die Erhöhung selbst herzustellen.

SB: Also sind es einfach kleine Mittel die dem Menschen im Prinzip das ermöglichen, was jeder andere auch machen kann, so dass sie beim Arbeiten keine Einschränkung haben.

HEIBI:
Richtig, ganz genau.

SB: Gibt es aus Ihrer Sicht noch viele Vorurteile wenn es um Menschen mit Behinderung geht, also seitens der Unternehmen. Da ja nicht alle Unternehmen diesbezüglich so offen sind. Sonst gäbe es wahrscheinlich auch nicht unser Projekt. Wie sehen Sie das?

HEIBI:
Na gut, erstmal kann ich da nur von uns sprechen. Aber wir haben jetzt mit unseren 3 Mitarbeitern vergleichende Erfahrungen gemacht: Sie sind nicht öfter krank, und wenn sie krank sind, sind sie nicht wegen ihrer Behinderung krank, sondern u. a. mal wegen Grippe etc. wie jeder andere auch. Sie sind hochmotiviert, muss man ehrlich sagen – das ist einfach so. Bisher haben wir keine schlechten Erfahrungen gemacht. Darum nutzen wir die Praktika, um zu sehen welche Abteilung am besten passt und natürlich auch, wo sich der Mitarbeiter am wohlsten fühlt.

Zum Beispiel hat ein Mitarbeiter in der Montage angefangen. Es waren Verpackungstätigkeiten, die aufgrund seiner Einschränkung schwierig für ihn waren. Dann hat man gesagt, wir suchen für ihn einen sitzenden Arbeitsplatz und er wechselte in die Fertigung zum Punktschweißen. Das war zwar ein Sitzarbeitsplatz, aber mit sehr einseitiger Belastung. Es waren immer die gleichen Bewegungen, das war auch nicht optimal. Und dann haben wir die Tätigkeit in der Zerspanung gesehen und haben gesagt, o.k. probieren wir das einmal aus. Das ist eine Wechseltätigkeit an mehreren Maschinen. Es sind an sich immer wiederkehrende Prozesse, aber nicht die ganze Zeit hintereinander. Es hat ihm am ersten Tag ganz gut gefallen, aber es war zu sehen, dass er eine Arbeitsplatzerhöhung benötigt. Es war klar, wir kriegen das hin und haben es am zweiten Tag gleich umgesetzt. Seitdem ist er in dieser Abteilung. Das funktioniert ganz gut.

Man muss halt einfach alle Möglichkeiten ausschöpfen, ob es funktioniert – von beiden Seiten her, ganz klar. Wenn der Wille da ist, sehen wir da kein Problem. Ich denke mal in den Köpfen vieler Unternehmen steckt in erster Linie: „Das kostet Geld“. Sie fragen sich: „Was habe ich an Leistung, wenn jemand eingeschränkt ist? Bringt der Mitarbeiter automatisch auch nur eingeschränkte Leistung?“ Das führt dann wieder zum Kostenpunkt. Das ist der Zwiespalt. Dann kommt die Befürchtung vor längeren Ausfällen wegen Krankheit dazu und es gibt einen erhöhten Urlaubsanspruch – da nehmen die Unternehmen vielleicht erstmal Abstand.

SB: Sie meinen es geht den Unternehmen um die Wirtschaftlichkeit?

HEIBI:
Ja, und dieser Ansatz ist ein klares Vorurteil und in meinen Augen verkehrt. Man muss wirklich jede Chance sehen heutzutage und sie auch nutzen. Man hat die gleichen Kündigungsrechte bzw. Kündigungsschutz. Es muss dafür mehr Werbung in den Unternehmen gemacht werden, damit ein langsames Umdenken stattfindet.

SB: Wir hoffen auch, dass es mittel bis langfristig eine Umstellung stattfindet. Häufig haben Menschen mit Handicap sogar die bessere Qualifikation.

Fällt Ihnen noch etwas ein, was man grundsätzlich als Unternehmen noch tun kann um die Vorurteile abzubauen?

HEIBI:
Ich denke mit gutem Beispiel vorangehen. Das wird das einzige sein, wo man alle ins Boot holen kann.

SB: Also wir finden, das ist hier ein gelebtes gutes Beispiel und Sie haben das sehr schön gesagt: Mit gutem Beispiel voran gehen, finden wir ein gutes Schlusswort an der Stelle, vielen Dank für das Interview.

 

Sie sind Arbeitgeber und haben auch etwas zum Thema Inklusion zu sagen? Gerne kommen wir zu Ihnen und führen ein Interview mit Ihnen durch. Sprechen Sie uns an!

Bild: Herr Hofmann im Gespräch mit Schwer Beschäftigt
Herr Hofmann im Gespräch mit „Schwer beschäftigt!“